Kongressbericht: Sonne im Park

Aufbruchstimmung und RĂŒckenstĂ€rkung - der Weg in die Zukunft wird deutlicher

Aufbruch der Solarienbranche - Die Zukunft der Sonnenstudios in der Diskussion

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Die Sonne hatte die Botschaft verstanden und spielte mit beim 2. EuropÀischen Fachkongress Solarien und Besonnung. Alles was Rang und Namen hat in der Solarienbranche hatte sich im Europaparkt in Rust zum Jahresevent rund und Sonne und Besonnung versammelt.

Im noblen Colosseo mit leicht antikem Flair ging es nach der BegrĂŒĂŸung der 250 Kongressteilnehmer durch den BfB-Vorsitzenden Dr. Norbert Schmid-Keiner denn auch im ersten Teil des Programms um die “böse” und die “gute” Sonne und um die Entscheidung fĂŒr eine von beiden.

Der Kongress im Video-Zeitraffer

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Der Griff nach den Trendsettern

Neue Zielgruppen im oberen Marktsegment fĂŒr die Besonnung - Bernhard Heinzlmaier
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Die Botschaft des Trendforschers Bernhard Heinzlmaier hÀtte nicht eindeutiger ausfallen können:
In seinem Vortrag zum “Sonnenstudio der Zukunft” geißelte er ebenso witzig wie zielsicher alles, was auch nur von weitem an Turbo-BrĂ€une und Deko-Palmen seligen Angedenkens erinnerte.

Mit Hilfe von sogenannten Sinus-Milieus, Typen sozialer Lebenswelten und sozialer Schichten, demonstrierte er den gebannt zuhörenden Studio-Betreibern die Notwenigkeit, ihre Denke, Kommunikation und Stilsprache einer Klientel anzupassen, die, so Heinzlmaier, bisher eher selten den Weg in die Sonnenstudios gefunden hĂ€tte und die alles Schrille und Übertriebene verabscheue: Die besser ausgebildeten und besser betuchten mittleren und Trendsetter-Schichten von der “bĂŒrgerlichen Mitte” bis zu den “Modernen Performern” und den “Experimentalisten“.

Diese neuen MeinungsfĂŒhrer setzten auf drei Trends, denen das Studio der Zukunft gerecht werden mĂŒsste:

  • Sicherheit durch nachprĂŒfbare QualitĂ€t,
  • Gesundheit und individuelle Gesundheisförderung (Heinzlmaier: " Die große Differenzierung der Schichten und Lebenswelten in Deutschland spielt sich gerade ĂŒber die Gesundheitsfrage ab.")
  • klar erkennbarer Produktnutzen,

und das in einer stilsicheren, eher zurĂŒckhaltenden aber bildhaften Ansprache.

Sein Rat an die Branche: Setzen Sie auf diese neuen Zielgruppen und damit auf die Trendsetter, die anderen werden schon folgen!

Ohne die Initiative Sanftes Sonnen einiger Betreiber zertifizierter Studios beim Namen zu nennen, hatte Heinzlmaier zielgenau deren Programm beschrieben. Und lieferte nicht nur damit dem nÀchsten Redner eine Steilvorlage.

Die staatliche Regulierung aller Solarien kommt!

Die Regulierung aller Solarien kommt bestimmt - Dr. Karl Eugen Huthmancher
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Der Vertreter der Bundesregierung, der Leiter der Strahlenschutzabteilung im Bundesumweltministerium, Dr. Karl Eugen Huthmacher, nahm den Ball dankbar auf.

Mit einer freundlichen Geste in Richtung zertifizierter Studios im allgemeinen und der Initiative Sanftes Sonnen im besonderen ließ Dr. Huthmacher aber keinen Zweifel an der Entschlossenheit seines Ministeriums, die wichtigsten Kriterien des Runden Tisch Solarien (RTS) fĂŒr alle Studios durchzusetzen - und die 0,3W/mÂČ auch fĂŒr AltgerĂ€te ohnehin.

“Noch nicht alle scheinen das Problem richtig verstanden zu haben!” und in Richtung der versammelten Studio-Betreiber: “Die gesetzlichen Regeln gelten immer und fĂŒr alle. Die Sicherheit der UV-Bestrahlung muss von allen gewĂ€hrleistet werden.”

Bei der Frage nach den Übergangsfristen gab er sich zwar konziliant, verwies aber auf die verstrichene Zeit seit EinfĂŒhrung der Zertifizierung. Trotz de Feststellung: “es bewegt sich etwas, die Branche ist im Aufbruch!” sei nach der jahrelangen Hinhaltetaktik der Branche der Eingriff des Gesetzgebers unvermeidlich geworden.

Auch in den Detailfragen, wie etwa der BeratungsqualitĂ€t und er ZulĂ€ssigkeit von SB-Studios oder bei dem geforderten Unbedenklichkeitsnachweis fĂŒr Solarkosmetika bezog der Regierungsvertreter klare Positionen:

  • Kein Betrieb von Solarien ohne qualifizierte Beratung von Erstnutzern,
  • keine Solarkosmetik vor der Besonnung ohne Unbedenklichkeitsnachweis.

Zu dem zweiten Punkt dann noch eine Klarstellung in der anschliessenden Fragerunde, die kein Ende nehmen wollte und den Zeitplan des Kongresses zu sprengen drohte:
Auch in zertifizierten Studios kann alle Solarkosmetik verkauft werden, es muss aber von ihrem Gebrauch vor der Besonnung abgeraten werden - bis die Bescheinigung vorliegt.

Auf die Frage, warum hier wieder einmal nur die Solarien, nicht aber der Verkauf anderswo von Ă€hnlichen Solarkosmetika auf`s Korn genommen wĂŒrde, hatte Dr. Huthmacher nur ein freundlich verstĂ€ndnisvolles Schulterzucken, mit dem ein “selbst schuld” zumindest angedeutet wurde.

Der Weg sei vorgezeichnet, die Erfolgsvoraussetzungen fĂŒr die Zukunft seien die vom Vorredner skizzierten. Der Ministerialbeamte als Trendforscher.

Sonne, kĂŒnstliche Besonnung, UV-Strahlen und Vitamin D als Gesundheitstandem der Zukunft - Prof. Dr. Jörg Reichrath

Die Wissenschaft auf Seiten der (sanften) Sonne

Auf solidem wissenschaftlichen Boden aber mit gleicher Richtung dann das Wort aus der Forschung: Prof. Dr. Jörg Reichrath referierte, was manchem im Saal revolutionÀr vorkam, was aber Lesern des BfB-Weblog und der BfB-News sehr vertraut klang:
“Sanftes Sonnen” ist nicht nur der Stil der Zukunft sondern auch ein besonders effizientes Gesundheitskonzept. Solarium und Gesundheit können ein harmonisches Paar sein oder zumindest werden.

Der weltweit renommierte Forscher mit dem fast schĂŒchternen Gestus versuchte, die komplexen ZusammenhĂ€nge einem aufmerksamen Publikum verstĂ€ndlich zu machen: Die Wiederentdeckung der “heilenden Sonne”.

Sein Vortrag galt vor allem den erstaunlichen Erkenntnissen aus neuerer Zeit ĂŒber die Gesundheitswirkungen des “Sonnenschein-Vitamins“, Vitamin D. Moderate, auf die individuellen Voraussetzungen abgestimmte Besonnung könne ein probates Mittel zur BekĂ€mpfung des weitverbreiteten Vitamin D-Mangels sein, bekrĂ€ftigte Reichrath auch auf dem “roten BfB-Sofa” beim Video-Interview. (Die Interviews auf DVD mit Prof. Reichrath, Dr. Huthmacher und Bernhard Heinzlmaier können beim Bundesfachverband fĂŒr Besonnung gegen eine BearbeitungsgebĂŒhr abgerufen werden).

Prof. Reichrath erlĂ€uterte ausfĂŒhrlich den fĂŒr das Sonnenverhalten entscheidenden Unterschied bei der Entstehung des relativ harmlosen „weissen“ zum gefĂ€hrlicheren „schwarzen“ Hautkrebs. Der „weisse“ Hautkrebs entstehe vor allem im  Alter nach langanhaltender, andauernder Sonnenbestrahlung. Der „schwarze“ Hautkrebs dagegen werde begĂŒnstigt durch abrupte, starke UV-Bestrahlung mit SonnenbrĂ€nden vor allem im Kindesalter, wĂ€hrend sich hier eine andauernde, mĂ€ĂŸige UV-Bestrahlung gerade umgekehrt, nĂ€mlich als langfristiger Schutz vor dem „schwarzen“ Hautkrebs auswirke.

 

Sanftes Sonnen als wichtiger Auslöser der Vitamin D-Synthese sei inzwischen als Vorsorge gegen Krebs, Osteoporose, Multiple Sklerose, Diabetes, Tuberkulose und wohl auch verschiedene psychische Erkrankungen gut belegt. Er warnte allerdings vor pauschalen Aussagen. Zu viel Sonne oder zu wenig Sonne, das könne immer nur individuell entschieden werden.

Sicher sei allerdings, dass die gelegentlich hysterischen Warnungen vor der Sonne zu weit gegangen seien. Auch in Deutschland habe deshalb bei Gesundheitsorganisationen und auch bei den Dermatologen ein Umdenken eingesetzt

Die Wissenschaft hat hier lÀngst die Richtung gewiesen. Nun muss nur noch die Praxis auf breiter Front folgen.

Tipps und Tricks fĂŒr die Studio-Praxis

Die Praxis kam denn auch im Folgeprogramm ausgiebig zu ihrem Recht.

Die schwierige Öffentlichkeits- und Pressearbeit zwischen globalen Imageproblemen und lokaler Kontaktpflege schilderte mit vielen Tipps fĂŒr die Arbeit vor Ort der MĂŒnchener PR-Profi Michael MĂ€rzheuser.

Noch ein StĂŒck nĂ€her an der Studio-Praxis: Der Workshop “Werbung mit kleinem Budget” mit der branchen-erfahrenen Moderatorin Stefanie Griesbaum.

Der rechte Umgang mit dem Kunden war dann Gegenstand gleich mehrerer VortrĂ€ge und Workshops, in denen - nicht immer unwidersprochen - eine FĂŒlle von praktischen Hinweisen und Verhaltenstipps geliefert wurden.

Die Piranhas sind unter uns

Sascha Bartnitzki, Experte fĂŒr Verkauf und Autor vieler Marketing-Texte in allen Medien, prĂ€sentierte seine patentierte Philosophie vom PiranhaSelling anschaulich und nah an der tĂ€glichen Praxis der Sonnenstudios entlang. Gefressen werden - wer will das schon! Bartnitzki programmierte seine Zuhörer dagegen auf`s Fressen.

Vom rechten Umgang mit dem Kunden

Aug in Auge mit dem Kunden - wie die Studio-Mitarbeiter/Innen auch schwierige Themen rĂŒberbringen können, welche Haltung und welche Botschaften auch höhere Preise rechtfertigen und wie man auf Augenhöhe auch mit unangenehmen Kunden umgehen kann, das zeigten die VortrĂ€ge von Kristine Brandenburg und Udo Kalweit und lösten lebhafte Diskussionen aus.

Nah an der Praxis der Sonnenstudios - die VortrÀge und Workhops zum Verkauf und zum Umgang mit dem Kunden

Handfest und einprÀgsam der Workshop zu Körpersprache, PrÀsenz und GesprÀchskultur mit der bekannten Trainerin Angelika Weiss.

Und dann durfte auch noch gelacht werden, und zwar lautstark und anhaltend: BĂ€rbel Hinz-KĂ€fer ĂŒbte mit den Teilnehmern ansteckende Fröhlichkeit. Nich nur “Sex sells” sondern auch “Smile sells“

Mit Dynamik und Leidenschaft: Was tun, wenn der Kunde kommt - der Mitarbeiter aber nicht?

Joachim Bullermann

Nach der dann folgenden, markerschĂŒtternden Heiterkeit beim atemberaubenden Vortrag des Motivations-Oldies Joachim Bullermann zu urteilen hat die Branche - allen Unkenrufen zum Trotz - den kollektiven Depri lĂ€ngst hinter sich gelassen und ist im brĂŒderlichen Schulterschluss der QualitĂ€ts-Studios auf dem Weg zur Sanften Sonne und zur Freiheit von Überlebensangst.

Stimmungsvoller Ausklang

Der ebenso anstrengende wie anregende Kongresstag klang fĂŒr die meisten Teilnehmer aus mit einem lockeren (Fach-)GesprĂ€ch beim ApĂ©ritif und einem opulenten Abendessen mit Unterhaltungsprogramm.

Erste kommentare und das Fazit der Veranstalter: Gelungen!

Auf Wiedersehen beim 3. Fachkongress Solarien und Besonnung (BfB-Kongress) am 09. Mai in Berlin!

Als Video- und/oder als Ton-Dokumentation können

  • eine ca. 60minĂŒtige Zusammenfassung des Kongresses,
  • die vollstĂ€ndigen VortrĂ€ge von, und
  • ausfĂŒhrliche Interviews mit, den Referenten
    Bernhard Heinzlmaier,
    Dr. Karl Eugen Huthmacher und
    Prof. Dr. Jörg Reichrath

beim Bundesfachverband fĂŒr Besonnung gegen eine geringe BearbeitungsgebĂŒhr bestellt werden.

Weitere Berichte vom Kongress und laufende Infos ĂŒber die Vorbereitungen auf den BfB-Kongress 2009,
3. EuropĂ€ische Fachkongress Solarien und Besonnung  am 09. Mai 2009 in Berlin 
auf:

http://www.BfB.de/BfB_aktuelle_meldungen.html

http://BfB.wordpress.com

SĂ€mtliche Fotos:

Claudia Hahn
Grafik  -  Illustration  -  Fotografie